Manuelle Therapie bei somatosensorischem Tinnitus (MANITU)
Das Forschungsprojekt „Manuelle Medizin bei somatosensorischem Tinnitus (MANITU)“ startet im Juni 2026 am Arbeitsbereich Physikalische Medizin an der Charité – Universitätsmedizin Berlin unter der Leitung von Dr. Anett Reißhauer und Dr. Max Liebl. Hier werden seit vielen Jahren Patient:innen mit Tinnitus manualmedizinisch untersucht und betreut, die an einem somatosensorischen Tinnitus (ST) leiden. Dabei handelt es sich um ein pathologisches Ohrgeräusch, das durch körperliche Faktoren wie Funktionsstörungen der Halswirbelsäule (HWS), Verspannungen, Fehlstellungen oder muskuläre Probleme ausgelöst werden kann. Ein ST kann durch eine ausführliche manualmedizinische Diagnostik identifiziert werden. Dabei wird geprüft, ob aktive oder passive Bewegungen, isometrische Muskelanspannungen, Palpationen oder ähnliche Manöver das Ohrgeräusch verändern, beispielsweise in Lautstärke, Qualität oder Tonhöhe. Eine umfassende Übersicht der spezifischen Modulationsauslöser gibt es bislang jedoch nicht.
Ziel der MANITU-Studie ist es zu untersuchen, ob eine gezielte manualmedizinische Behandlung die Beschwerden von Patient:innen mit somatosensorischem Tinnitus (ST) wirksam lindern kann. Konkret evaluiert die Studie, ob die Tinnitusbelastung reduziert und die möglicherweise zugrunde liegenden Beschwerden im Kopf-, Nacken- und Schultergürtelbereich verringert werden können.
Die Behandlung im Rahmen der MANITU-Studie umfasst eine individuell angepasste medizinische Untersuchung und Therapieplanung sowie eine Serie manueller Therapien. Falls nötig, wird die Therapie durch Wärmetherapie gemäß den Heilmittelrichtlinien ergänzt.
Die Studie wird nach strengen wissenschaftlichen Standards durchgeführt: Sie ist randomisiert, das heißt die Teilnehmenden – in diesem Fall Betroffene, die an einem somatosensorischen Tinnitus leiden –, werden zufällig ausgewählt, und Kontrollgruppen (sogenannte Wartegruppen) werden einbezogen, um die Wirksamkeit der Behandlung im Vergleich besser bewerten zu können. Die Betreuung erfolgt ausschließlich durch speziell qualifizierte Fachärzt:innen und Physiotherapeut:innen mit Expertise in manueller Medizin und Therapie.
MANITU läuft bis Ende 2028. Die ersten Untersuchungen beginnen noch im Juni 2026. Das nächste Update hierzu folgt im Dezember 2026.
