Berlin, 24. Juli 2026
Psychologische Dimensionen des chronischen Tinnitus
Eine neue Studie des Tinnituszentrums der Charité untersucht psychologische Faktoren, die mit chronischem Tinnitus verbunden sind bei Patientinnen und Patienten mit und ohne Hörverlust. Die Studie von PD Dr. Dr. Benjamin Boecking, Dr. Kurt Steinmetzger, Dr. Petra Brueggemann, Prof. Dr. Matthias Rose und Prof. Dr. Birgit Mazurek („Transdiagnostic dimensions of psychopathology in chronic tinnitus patients with and without hearing loss) analysierte Daten von 678 Patientinnen und Patienten mit chronischem Tinnitus. Dabei untersuchten die Forschenden Zusammenhänge zwischen psychischen Symptommustern und der tinnitusbezogenen Belastung (Tinnitus-related distress, TRD).
Die Ergebnisse zeigen, dass die psychische Vulnerabilität bei chronischem Tinnitus besser durch übergreifende Dimensionen als durch einzelne psychiatrische Diagnosen verstanden werden kann. Es wurden drei zentrale Dimensionen identifiziert: internalisierende Psychopathologie, schädlicher Substanzgebrauch sowie angstbezogene soziale Wahrnehmungen. Insbesondere depressive und angstbezogene Beschwerden standen mit einer höheren tinnitusbezogenen Belastung in Zusammenhang. Bei 52,1 % der untersuchten Personen konnte kein messbarer Hörverlust festgestellt werden. Dies deutet darauf hin, dass die Entstehung und Aufrechterhaltung der Tinnitusbelastung nicht ausschließlich durch Veränderungen im Innenohr erklärt werden können, sondern auch psychologische Prozesse eine Rolle spielen. Die Autorinnen und Autoren schlussfolgern, dass ein chronischer Tinnitus besser zu verstehen und zu behandeln ist, indem die gesamte emotionale Funktionsweise der Betroffenen berücksichtigt wird und nicht nur einzelne Diagnosen im Fokus stehen.
